Montag, 18. Januar 2010

Matisyahu, die Achte

Light
von Martin Pfaffenzeller


Light, der Name des neuen Albums von Matisyahu ist Programm. Es ist das Ziel des New Yorkers den Hörer mit seiner Musik zur Erleuchtung zu bringen.

Exemplarisch für den missionarischen Anspruch des Albums ist für mich der Song We Will Walk. Nach einem etwas dünnen, poppigen Part setzt, unterstützt von einem fetten, fast epischen Sound, der Chor ein, der dem Hörer die Botschaft einhämmern soll. "You are not alone", du bist nicht allein, es gibt mehr, als man anfassen kann, es gibt etwas Höheres. Man wird davon in gewisser Weise überrollt, kann das Alles einen kurzen Moment nachvollziehen, fühlt sich geborgen. Doch diese Erhellung ist zumindest bei mir nur von kurzer Dauer, etwa zwei Sekunden, dann kommt auch schon flugs der Gedanke, was dieser pathetische, kitschige Schmarrn eigentlich soll. Beim analytischen Hören dann, wenn man auf den Text achtet, wird einem das Ganze etwas unheimlich, Passagen wie "We will walk until my blood runs out, until my heart is burned" oder "Patience on top of a mountain, Pumping blood through the veins of creation" animieren nicht wirklich zum auswendig Lernen und Mitsingen.

Für "bereits Bekehrte" ist Light sicher ein tolles Album und es funktioniert live ziemlich gut, wie man bei den Live-Mitschnitten in Videoportalen oder auf der Homepage des Künstlers sehen kann, doch hier inszeniert sich Matisyahu wie auch im offiziellen Video zur Single One Day für meinen Geschmack zu sehr als Prophet.

Aufgrund dieses weltanschaulichen Aspekts fällt es mir schwer das Album rein musikalisch zu bewerten und da ich mich bisher noch nicht wirklich mit Matisyahu auseinandergesetzt habe, weiß ich nicht, ob ich das Ganze vielleicht überinterpretiere. So kann ich nur jedem raten, sich ein eigenes Bild vom polarisierenden Künstler Matisyahu zu machen.

Matisyahu, die Siebente

Light
von Martin Alex


Matisyahu bringt Licht ins Dunkle
Der orthodox jüdische Amerikaner rappt und singt über seine Religion und den Frieden

Drei Jahre war es ruhig um den vollbärtigen Musiker - ein Song wie King Without A Crown, seine Erfolgssingle aus vom letzterschienenen Album Youth, muss auch erst einmal übertroffen werden. Nun ist sein neues Album Light erschienen, mit dem sich stilistisch einiges getan hat. So ist das Album eine Reise durch alle erfolgversprechenden Genres der Popmusik geworden. Von Rocksongs wie So Hi So Lo über R'n'B anmutende Tunes, wie bei We Will Walk bis zum Hip Hop-Feeling in Smells Lies ist alles dabei.

Mit der ersten Single One Day hat Matisyahu ein wirklich großes Stück Musik abgeliefert. Das Rezept macht schon beim Lesen Geschmack: Man nehme einen kräftigen Bass, eine eingängige Hug Line sowie etwas Synthi-Gespiele und lässt das Ganze zu einer ausgefeilten Produktion mit auffälligen Effekten langsam garen. Fertig ist eine Hymne, in der man förmlich die Sonne aufgehen sieht.

Im Gegensatz zu dieser Single ist der Rest des Albums eher durch stark verzerrte Gitarren dominiert. Wen wundert es, wenn David Kahne (The Strokes, McCartney) das Album produziert hat. Matisyahu als Reggae-Artist zu betiteln wäre folglich nicht vertretbar. Zu unterschiedlich und zu untypisch Reggae klingen die Songs. Auch wenn Beat-Bezogenheit und Synthi-lastiger Sound nicht unbedingt im Widerspruch zum Reggae stehen muss, ein typisches Feeling kommt trotzdem nicht auf.

Die Besetzung erinnert mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard und Gesang auch eher an eine Rock-/Indie-Combo. Matisyahu geht seinen eigenen Weg – sollte man meinen - dabei fällt beim Hören des Albums auf, dass der gute Matthew Miller hier kein Risiko eingehen will. Keine gewagten Kunstgriffe, sondern eher standardisierte und fast schon überproduzierte und "verpoppte" Songs sollen ein breites Publikum ansprechen.

Matisyahu, die Sechste

Light
von Elisabeth Loose


Immer wieder wurde das Erscheinungsdatum von Light verschoben. Sollte Matisyahus 3. Album eigentlich Anfang 2008 auf den Markt kommen, so ist es nun Oktober 2009 geworden. Hat sich das Warten gelohnt?

Im gesamten Album verbindet Matisyahu Elemente des Reggae, Rap und auch Rock und kreiert damit seinen ganz eigenen Stil. Schwere, klebrige Bässe in We Will Walk auf der einen Seite, zurückhaltende Gitarrenbegleitung in Silence auf der anderen. Er versteht sich darauf, eine enorme Vielseitigkeit in seinen Songs unterzubringen und setzt damit Themen wie Glaube oder Liebe gekonnt in Szene. Besonderer Leckerbissen dieser Platte: One Day. Ungewöhnlich instrumentiert für ein Reggae-Stück (z.B. Streicher im Hintergrund) macht das in Verbindung mit dem Text gerade den Reiz der Nummer aus. Es geht weniger um Religion wie in seinem letzten Album, sondern um Freiheit, Frieden, Gleichheit. So abgegriffen das scheinen mag, dem jüdischen US-Amerikaner gelingt es diese Themen neu und vor allem unverbraucht zu verpacken. Er selbst betont in einem Interview: "One Day is the song I’ve been wanting to make since I started my career,[…] It is an anthem of hope with a big beat — the kind of song that makes you bob your head and open your heart at the same time." Er hat Recht, dieser Song wie auch das Album öffnen beim Zuhören das Herz. Das Warten hat sich gelohnt.

Matisyahu, die Fünfte

Light
von Henrike Gallmeister


Light – der vielversprechende Titel des neuen Albums Matisyahus. Was können wir diesmal von dem New Yorker Raggae- und Hip-Hop-Artist erwarten? Einen leichten Mix aus Raggae, Dancehall und Pop, ähnlich wie in seinem ersten Album Youth? Oder spielt der Name eher auf die spirituellen Elemente seiner chassidisch-jüdischen Wurzeln an?

Beim ersten Hören zumindest fäll es eher schwer, den bärtigen Mann mit schwarzem Hut und Mantel mit den Tunes der CD in Verbindung zu bringen. Doch schon die einleitenden Klänge des ersten Tracks Smash Lies haben einen orientalischen Touch und schlagen sofort die Brücke zwischen jüdischen Melodien und hartem Dancehall. Auch die Genres aller weiteren Songs decken ein schwindelerregendes Musikspektrum ab. So begibt sich Matisyahu auf eine akustische Reise von New-Wave-Ska (We Will Walk) und entspanntem Rock-Pop (So Hi So Lo) über Singer/Songwriter-Charme (I Will Be Light) bis hin zu knackigen Dancehall-Beats (Motivate).

Spätestens in dem abschließenden Gebet (Silence) glaubt man dem 29-jährigen seine Botschaft: "Ich möchte, dass meine Musik eine Bedeutung hat, dass sie Menschen berührt und sie zum Nachdenken anregt." Seine Lieder sind beeinflusst und inspiriert von der Religion, der Lehre, die ihn inspiriert. In seinen Texten möchte der Künstler den wesentlichen Dingen auf den Grund gehen und ihre Essenz begreifen.

Genau diese Motivation verleiht dem Album eine spirituelle Kraft und einen inneren Glanz, wie man es seit Bob Marley nur noch selten in der Reggae-Branche findet.

Will man nun das Album Light in eine Genre-Schublade stecken, so tut man wohl besser daran, die Musik als einen komplexen musikalischen Mix zu verstehen, der jegliche Bandbreite des akustischen Spektrums abdeckt. Es sprengt einfach jegliche Erwartungen und lässt den Zuhörer stets in Ungewissheit, wohin sich die Reise des nächsten Songs begeben mag.

"Jeder scheint es Raggae zu nennen, ich nenne es Musik.", sagt Matisyahu selbst über seine neue Platte, die eine ganz eigene Dynamik hervor bringt.

Matisyahu, die Vierte

Light
von Friederike Schmidt


„Mit der Weiterentwicklung meines Musikgeschmacks habe ich meinen eigenen Sound und meine Stimme neu entdeckt“.

Diesen Eindruck gewinnt auch der Rezipient der neuen Platte Light des Künstlers Matisyahu. Es ist sein drittes Album, welches nach fast dreijähriger Schaffensphase dem Album Youth gefolgt ist. Der Künstler, ein von jüdischen Eltern liberal erzogener Amerikaner, hat in seiner Jugend auf der Suche nach seiner Zugehörigkeit als Folge einer Jerusalem-Reise zum chassidischen Judentum gefunden und seine Musik seither mit jiddischen und hebräischen Inhalten gefüllt. Im Vergleich zu seinem letzten Album sind pure jüdische Inhalte jedoch rarer geworden und Texte friedensstiftenden Charakters finden Raum.

Musikalisch lässt sich der Sound nicht so einfach einer Stilrichtung zuordnen. Die Arrangements sind sehr vielfältig, sodass man genau hinhören muss, um die vielen Details und verschiedenen Stile zu entdecken. Dem letzten Album zufolge ist es nicht falsch, die Musik dem Reggae zuzuordnen, letztendlich gibt es jedoch eine Weiterentwicklung in der Musik, dessen vielfältiges Ergebnis Aufmerksamkeit geschuldet ist. Von rockigen Gitarrensounds, über Hip-Hop/Rap mit Beatbox, begegnet man Elementen aus dem Dub, sowie poppigen Refrains und Gesangspassagen, sogar unter Einsatz eines Kinderchores, die für schöne Ohrwürmer sorgen. Geigen-, Cello- und Klavierbackgrounds verschaffen dramatische Höhepunkte. Die Kompositionen haben eine gewisse Anziehungskraft, vielleicht aufgrund des spirituellen Hintergrundes, in dessen Zusammenhang Matisyahu den "chassidischen Reggae" geprägt hat, und dabei versucht, eine Verbindung zwischen klassischem Judentum und der Moderne zu schaffen. Nicht grundlos hat das Magazin Esquire ihn als den "faszinierendsten Reggaekünstler der Welt" bezeichnet. Sowohl seine Welt der Musik, als auch die Geschichte des Menschen Matisyahu, der dahinter steckt transportieren eine wertvolle Botschaft von Liebe, Werten und Moral, die sehr hörenswert ist.

Matisyahu, die Dritte

Light
von Laura Weber


Matisyahu meldet sich nach drei Jahren intensiver Arbeit mit seinem neuen Album Light zurück. Bereits mit dem letzten Album feierte der chassidisch-jüdische Künstler mit dem markanten Bart und eingängigen Reggae-Klängen beachtliche Erfolge und landete mit King Without A Crown einen Top-40-Hit. Mit Light liefert der inzwischen 29-jährige New Yorker eine neue Spitze in der Geschichte seines Schaffens.

Der Sound lässt sich nicht mit drei Worten abtun, zu viele verschiedene Stile treffen in dem Werk aufeinander. Er vereint Reggae, Funk, Pop und Soul bis Rock und Elektro und sorgt musikalisch somit für Abwechslung. "Mit der Weiterentwicklung meines Musikgeschmacks habe ich meinen eigenen Sound und meine Stimme neu entdeckt", beschreibt er die Vielfalt der 14 Songs. Mit diesem Schritt ermöglicht er einerseits dem weniger Reggae-affinen Hörer den einen oder anderen Ohrwurm, wird aber vielleicht eingefleischte Stammhörer nicht vollends zufrieden stellen können. Teilweise wirken einige Titel wie We Will Walk oder Escape mit einem breiten Spektrum an Effekten überladen und überproduziert. Richtig klassische Reggae- oder Dancehallsounds finden sich nur in wenigen Songs wie Struggla und Thunder, ansonsten dominieren Passagen und Elemente die einem oft bekannt vorkommen und sich leicht einprägen, wie die Melodieführung in One Day mit dem hymnenartigen Refrain. Einen Bruch bringt der lieblich, träumerische Abschlusssong Light, der meditativen Charakter besitzt und an dieser Position perfekten Ausklang bietet.

Textlich bewegt sich Matisyahu in üblichen Thematiken wie Freundschaft, Liebe und das Leben. Der religiöse Zeigefinger wird nicht erhoben, auch wenn er aus seinem Glauben kein Geheimnis macht.

Mit Light erwartet den Hörer ein abwechslungsreiches Album eines vielseitigen Künstlers, das keine Langeweile aufkommen lässt und sowohl zum Nachdenken, als auch zum Träumen und Tanzen anregen kann.

Matisyahu, die Zweite

Light
von Julia Wechler


Matisyahu – nach seiner erfolgreichen Platte Youth erscheint nun das zweite Album des chassidisch-jüdischen Künstlers aus New York. Die neue Produktion Light wirkt im ersten Augenblick wie sein Vorgänger, doch die vierzehn von David Kahne produzierten Songs zeigen ein enorm breites musikalisches Spektrum. Einiges ist noch beim Alten geblieben und so passen beispielsweise die erste Singleauskopplung One Day oder der Song Thunder unter sein Reggae-Etikett.

Der bärtige Mann mit Hut zeigt jedoch mit der Platte seine wachsende Bandbreite. Es geht eindeutig beatlastiger zu als noch bei Youth und neben Reggae- und HipHop-Elementen sind u. a. auch Rock-Pop (So Hi So Lo), Dancehall (Motivate, Smash Lies) und Folksoul (I Will Be Light) vertreten. Er präsentiert sich als ungemein wandlungsfähiger Vokalist und auch instrumental ist von Elektrospielereien (For You) über Streichermelodien (So Hi So Lo) und breiten Gitarrenwänden (Darkness Into Light) alles vertreten.

Das Album schickt den Hörer auf eine Reise und hält ständig neue Überraschungen bereit. Light ist eine gelungene zweite Runde des Matisyahu und auch wenn sich die Musik geändert hat, ist die Botschaft seiner Songs doch die gleiche geblieben.